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Die Orangenen des Grauens

Die Grundschüler kämpfen um jeden Ball und geben sich nicht geschlagen. Im Laufduell sprinten Muhammed und Selin von der Augusta beziehungsweise der Agatha-Schule  Foto: André Elschenbroich

Holsterhausen Hilal möchte losjubeln. Die Siebenjährige hat getroffen. Zum ersten Mal überhaupt in ihrer jungen Basketball-Karriere. Doch dann kullern Tränen der Enttäuschung über die Wagen der jungen Sportlerin. Ihr Team hat 1:54 verloren. Viele Mini-Basketballer gingen beim Turnier der BG Dorsten am Samstag durch ein Wechselbad der Gefühle.

„Die Orangenen, die haben ja schon richtige Trikots an“, sagt Melanie und bestaunt mit großen Augen die U11 der BG Dorsten. Doch wenn es nur das wäre, was die Schülerin der Augusta-Grundschule beschäftigt. Denn: die U11, die seit einem Jahr von Jenny Pyka trainiert wird, hat nicht nur schöne Trikots, sondern ist auch einfach schneller, besser und größer. Der kleine Muhammed schmeißt sich auf jeden Ball, Mariam dribbelt mit aller Kraft nach vorne. Doch alle Bemühungen helfen nichts. Die Minis der BG treffen einfach jeden Korbleger, schon fast wie die ganz Großen. Korbleger? Aus den Gesichtern der Grundschulkinder lassen sich riesige Fragzeichen ablesen. Für sie gibt es bis jetzt nur Dribbeln, Passen und Werfen.

Nach 20 Minuten steht es schwarz auf weiß, das niederschmetternde Ergebnis von 1:54. Hilal, die ihren ersten und den einzigen Korb im Spiel gemacht hat, kann die Tränchen nicht mehr zurück halten. Mit verschränkten Armen sitzt die Siebenjährige auf der Bank und ist nur schwer aufzumuntern. „Sei nicht traurig, die sind einfach die Besten“, versucht Grundschülerin Selin zu trösten, die zuvor auch schon gegen die gefürchteten Orangenen verloren hat. „Ihr müsst die als Trainingspartner ansehen. Von denen könnt ihr viel lernen“, ruft die Mutter eines anderen Grundschulkindes Hilal zu. Doch was zunächst erstmal hängen bleibt, ist die Niederlage und die Gewissheit, dass es Kinder gibt, die besser Basketball spielen können.

Es ist Samstag-Mittag. Die Juliushalle ist der Treffpunkt für jung und alt, klein und groß. Die Stimmung ist bis auf kleine Ausnahmen hervorragend. Die Grundschüler, die ihre ersten Schritte auf dem Parkett gerade erst hinter sich gebracht haben, spielen heute ihr erstes Basketballturnier, und das gleich vor so vielen Zuschauern. Doch zum Spaß hat man sich nicht getroffen. Jedes Team will gewinnen, will Erster werden.

„1:0 für Augusta“, ruft Janik Knittel. Der 17-jährige Basketballer aus der Zweitligamannschaft gibt heute den Schiedsrichter und bekommt gleich den wütenden Protest von Melissa Klüsener ab. Die Spielerin der zweiten Damen und Coach der Agatha-AG ruft von der Seitenlinie: „Meine Kids wussten gar nicht, auf welchen Korb sie spielen müssen.“ Doch der Schiedsrichter hat immer Recht, auch bei den Anfängern. „Für die Jüngsten ist das eine völlig neue Erfahrung. Sie müssen das erst lernen“ sagt Trainerin Jenny Pyka, die sich dabei auch an ihre Anfänge erinnert.

„Was sind das für Zettel? Warum kriege ich nicht so einen?“, fragen einige Grundschüler kurz nach dem Spiel ihre Trainerin. Die Entscheidung darüber trifft der Mann mit dem grauen Trainingsanzug, der Brille und den begehrten Blättern in der Hand. Alois Buschmann schaut heute ganz genau hin, das Dorstener Urgestein hat einen Blick für Talente und erklärt sofort, wofür die Zettel sind: „Der Verein lädt die talentiertesten Kinder zu einem Probetraining bei der BG ein. Ich habe bei der Auswahl auf die Bewegungen und die Koordination geachtet. Man kann in dem Alter schon erkennen, ob aus den Kinder Ballsportler, Tänzer oder Schwimmer werden.“ Was aus den Teilnehmern eines solchen Turniers werden kann, zeigt sich im Zweitligateam. Dorstens gefährlichster Dreierschütze Nderim Pelaj etwa wurde auch beim AG-Turnier von Talentscout Alois Buschmann entdeckt.

Es ist 14 Uhr, das Turnier neigt sich dem Ende zu. Hilals Tränen sind getrocknet, die Enttäuschung über die ersten schweren Schritte im Basketball verdaut. Und das, obwohl sie von Coach Buschmann keinen der begehrten Zettel bekommen hat. Doch schon im März wartet bei der BG auf Hilal und die anderen Grundschulkinder das nächste Turnier, die nächste Chance. „Wir wollen zeigen, dass es nicht nur Fußball und Tennis gibt. Die Kinder sollen in ihre Aufgaben herein wachsen und Spaß an der Bewegung haben“, macht Organisatorin Karin Kemper neue Hoffnung und Mut.


 
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